Kapitel: Das Buch Wendepunkt / Presseartikel  -  Navigation: rundes Menüsymbol


"Lieber Thomas, vielen Dank für Ihr Buch und Schreiben. Die Sache ist mir sehr sympathisch! (...)"
Ephraim Kishon (Autor und Kunsthistoriker)


Buchbesprechung von Christina Birk (Theologin) im Bergsträßer Anzeiger, Pfingsten 1999


Ein "Wendepunkt" zu neuer Menschlichkeit

Buch über den Holocaust von Thomas Zieringer / Lebensbejahung, Liebe und Hoffnung

Bensheim. Was, schon wieder ein neues Buch über den Holocaust? Ist darüber nicht schon alles gesagt, diskutiert, geschrieben worden, was es zu sagen und zu schreiben gibt? Nein, "Wendepunkt - die Vision einer neuen Menschlichkeit" des Bensheimer Autors und Therapeuten Thomas Zieringer ist weit mehr als "nur" eine weitere Dokumentation über die Verbrechen der Nazi-Diktatur und ihre Greueltaten an den jüdischen Mitbürgern.

Wie schon der Titel andeutet, geht es Zieringer mit dem Buch, in dem er einen Entwurf für ein Holocaust-Mahnmal vorstellt und erklärt, um einen ganz neuen Ansatz zum dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte.

Zieringer geht davon aus, daß damals wie heute viele Menschen ihnen angetanes Unrecht und Verletzungen nicht aufarbeiten, sondern ihrerseits verletzen und Unrecht tun. Daraus folge "eine Denkweise, die zum Holocaust führte, die heute noch vorhanden ist und die vielen Menschen nach wie vor großes Leid bringt", beschreibt der Autor die Schwächen und (Sehn-)Süchte der Menschen unserer "Ellbogengesellschaft" und gelangt so zu einem "Weg der Heilung", der für den Autor "vielleicht die einzige Möglichkeit, solche Katastrophen zu vermeiden und zu mehr Menschlichkeit ist".

"Heilung bedeutet aber nicht, einen Schlußstrich ziehen zu wollen, Heilung ist eine Lebensaufgabe, wahrscheinlich die schwerste Aufgabe im Leben eines Menschen", schreibt Zieringer in seinem 270 Seiten starken Buch. Konkret bedeute dies, "sich endlich offen und ehrlich mit den eigenen Schmerzen und Verletzungen auseinanderzusetzen, nicht mehr zu verdrängen und zu vergessen.

Den Appell zu solcher Vergangenheitsbewältigung verbindet Zieringer mit dem Aufruf zu mehr Verantwortung - ohne deshalb schulmeisterlich den Zeigefinger zu erheben.

Wohl erschüttert er mit Berichten von Zeitzeugen aus der Nazi-Zeit. Wie beispielsweise dem US-Soldaten Charles Ferree, der direkt nach Kriegsende die Grauen der Konzentrationslager erlebt hat ("nach Dachau verbrannte ich meine Uniform in einem vergeblichen Versuch, mich vom Todesgeruch zu befreien. Dieser Geruch ist immer noch bei mir, 50 Jahre später. Erst vor kurzem haben meine Frau und ich begonnen, über den Holocaust zu sprechen"). Auch mahnt er mit der Schilderung alltäglicher Szenen die Gleichgültigkeit, Orientierungslosigkeit, Rücksichtslosigkeit der Menschen des ausgehenden 20. Jahrhunderts an.

Aber immer wieder gelingt es ihm, ob er nun Erlebnissen mit Freunden oder spontanen Begegnungen erzählt, "die guten und schönen Seiten im Menschen aufzuzeigen", um so mehr Offenheit, sich dem Schlechten der menschlichen Seele stellen zu können", zu gewinnen. Lebensbejahung, Liebe und Hoffnung ziehen sich als roter Faden durch das Buch, das Zieringer als Plädoyer gegen den herrschenden Zeitgeist und für mehr Mitmenschlichkeit versteht. Künstlerischen Ausdruck findet dieser Appell in dem Mahnmal-Entwurf. (Siehe den nebenstehenden Bericht "Debatte neue Impulse geben".)

Die Stärke seines Buches liegt aber nicht nur darin, daß er mit der Erklärung dieses Symbols der Debatte neue Impulse verleihen könnte. "Wendepunkt" lebt davon, daß es den Bogen vom Holocaust zu den Leiden und Nöten der Menschen unserer Zeit schlägt, daß es keine Zeichen der Verdammung, sonder der Hoffnung setzt; daß es nicht verurteilen, sondern heilen will.

Diese Heilung beschreibt Zieringer in den Kapiteln, in denen er die seelischen Probleme der Menschen heute analysiert, als Lösungsansätze, die sich auch in der therapeutischen Praxis bewährt haben. An anderer Stelle liegt der Schwerpunkt auf philosophischen und theologischen Fragen: Doch betet er hier nie festgefahrene Glaubensaussagen herunter, verfällt auch nicht in akademische Exkurse, sondern vermittelt in klarer, lebendiger Sprache eine christlich geprägte, durchaus moderne Ethik von Verantwortung, Hoffnung und Demut. Für Thomas Zieringer könnte dies für alle, Männer und Frauen, Jugendliche und Senioren, Arbeitslose und Unternehmer, den "Wendepunkt" offenbaren - die "Vision einer neuen Menschlichkeit".





Gedanken zum Mahnmal - Juli 1999 -

Eine Reise ins Innere des Menschen

bbs./x. Berlin tut sich schwer mit der endgültigen Gestaltung eines nationalen Mahnmals, das dem Gedenken der Holocaust-Opfer gerecht wird.

Bundespräsident Roman Herzog hat in seiner diesjährigen Rede zum offiziellen Gedenktag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz mit großem Nachdruck die junge Generation angesprochen, deren Kenntnisse, Wissen und persönliches Engagement zum Thema Holocaust er für ungleich wichtiger hält, als die Debatten und Begriffserklärungen der Generation, die sich schon seit fünfzig Jahren damit beschäftigt. Mit dem Vorschlag Thomas Zieringers über den Umgang mit dem Holocaust und den Aufbruch zu einer neuen Menschlichkeit setzt sich sein Buch "Wendepunkt" (Jahn & Ernst Verlag, Hamburg, 1999) auseinander.

Die neue Sichtweise auf das Thema rückt den Wert des Menschen stärker in das Bewußtsein. Es ist ein Buch über das Leben, den Menschen und die Menschlichkeit.

Der erst 30jährige Autor betrachtet das schreckliche Geschehen des Holocaust aus einem Blickwinkel, der nicht trennend wirkt und so berühren und bewegen kann. Die tiefgründige philosophische Betrachtung des jungen Therapeuten hat, ohne von Religiosität bestimmt zu sein, eine christliche Prägung.

Thomas Zieringer will ein zentrales nationales Mahnmal schaffen, das ein Zeichen der Hoffnung ist und Gedenken ermöglicht - offen und zugänglich, nicht bedrohlich und monströs.

Das Mahnmal stellt einen durchbrochenen Kreis dar und symbolisiert eine Reise ins Innere des Menschen. Die Vorstellung dieses Mahnmals ist ganz konkret: Ein Platz wird von zwanzig Pyramiden-Eichen, die eine U-Form bilden, umstanden. Der äußere Ring ist aus weißem Marmor.

Die Anlage des Kreises führt den Besucher um den Kern des Mahnmals herum, in eine ausgedehnte Rasenfläche hinein. Der innere Kreis des Mahnmals ist ein Ort der Meditation, des Nachdenkens und Gedenkens.

Artikel erschienen in den Lokalnachrichten Berlin u. a. Zeitungen

Gesamtauflage ca. 350.000

Anmerkung: der Autor des Artikels hatte noch nicht verstanden, dass es sich um ein Friedensmal und kein Mahnmal handelt. Eben das ist der stärkste Beweis, wie wichtig es wäre die Kategorie des Friedensmals zu etablieren.





Kommentar der Autorin Urusla Roeder-Wolf

Viel wurde inzwischen über die Erstellung eines nationalen Holocaust-Mahnmals im Herzen Berlins diskutiert. Die Wunden, die auch dem Tätervolk geschlagen und eingebrannt wurden, ließen offenbar keine für alle Sensibilitäten gerechtwerdende Lösung zu. Sicherlich hat das etwas mit einer noch zu großen Nähe der älteren Menschen zu tun. Und nun wird wie aus 'heiterem Himmel' eine sehr denkwürdige, interessante Gestaltungsidee von einem Vertreter der Enkelgeneration gebracht, und damit sollte man sich allen Ernstes beschäftigen, denn es leuchtet ein, daß diese Nachfolgegeneration unbehafteter reagieren kann.

Der Vorschlag von Thomas Zieringer bietet eine unwahrscheinlich schlüssige Denkmalgestaltung an, die entgegen moderner Zeit-Monumente eine Mahnmalstätte entwickelt, die ineinandergreifende Vorgänge in den verschiedenen Ringen deutlich macht und sie in Bezug zu einer fließenden Bewegung setzt, in der nicht nur der Tod und das Grauen bzw. die Erstarrung zum Ausdruck kommen, sondern auch die andere lichte Polarität, in die der Mensch bei seiner Geburt gestellt wird, und aus der heraus er Auswege, Sühne in Demut und Hoffnung finden kann.

Wir müssen diese Sicht der jungen Menschen sehr begrüßen und bedenken, daß das, was wir heute bauen, vor allem zum Wohle unserer Kinder gebaut werden sollte. Wenn wir Mahndenkmäler setzen wollen, dann sollte diese Enkelgeneration einen verständlichen Zugang zu dem Denkmalinhalt finden können und eine Hilfe bekommen für ihre eigene Lebensbewältigung. Wir müssen ihr Mut machen, Mut für eine gute und tröstliche Zukunft, und wir müssen ihr das Vertrauen vermitteln, daß sie mündige Lebensträger für eine gerechte und gute Welt sind.

Durch die von Thomas Zieringer in Unruhe und Aufregung durchgearbeitete Vision seines Friedensmals erfahren wir die gute und richtige Wegweisung zur Lösung innerer Probleme, Verklemmungen und Schwierigkeiten und gerade, weil er das Friedensmal direkt und unmittelbar vom allumfassenden Individuum Mensch her aufrollt und die Volksverirrungen mit den in jedem Menschen angelegten polaren Naturen erklärt, die einen Menschen einmal durch unverarbeitete Verletzungen, Kränkungen, Minderwertigkeitsgefühle etc. zum kranken Wesen oder mit der Kraft der Liebe zu einem gesunden, heilen Wesen machen, kann man bei seinem Friedensmal von einer gelungenen Symbiose sprechen: es ist eine würdige Erinnerungsstätte des vergangenen Holocausts und ein stiller Meditationsplatz für Menschen jeden Alters, die Antworten suchen bei ihrer eigenen Lebensherausforderung.






Leider wurde das folgende Interview nicht veröffentlicht, weil das Thema und meine Antworten der Zeitung dann vielleicht doch als zu brisant erschien und man sich vor einer offenen Diskusion scheute. Diese Art von fehlendem Mut festigt die Erstarrung und hilft so letztlich den negativen Kräften in der Gesellschaft. Das Interview aus dem Jahr 1999 kann ich heute im Jahr 2004 nicht mehr anders machen. Heute würde ich milder reden.



1. Sie haben ein Buch über einen neuen Zugang zum Thema Holocaust und über die Vision einer neuen Menschlichkeit geschrieben. Was hat Sie dazu bewegt?

Gerade als junger Mensch war es für mich unfassbar zu sehen, mit welcher Heuchelei die Diskussion über das Holocaust-Mahnmal geführt wurde. Wir müssen doch einen Weg finden, der in die Zukunft weist, der Grund zur Hoffnung gibt, der aufruft etwas zu tun, statt nur über die eigene Schlechtigkeit und Schuld zu klagen. Ich habe ein Buch über das Leben, den Menschen und die Menschlichkeit geschrieben. Ich glaube es ist dringend notwendig, dieses schreckliche Geschehen - den Holocaust - aus einem Blickwinkel zu betrachten, der nicht trennend wirkt und nur Schuldgefühle erzeugt, sondern der uns weiterbringt - in eine menschlichere Gesellschaft. Ein Ansatz, der uns führt, nach den Ursachen dieser Katastrophe in der menschlichen Seele zu suchen und der uns erlaubt - ohne das Gefühl einer geerbten Schande - unserer Verantwortung gerecht zu werden.


2. Sie gehören der sogenannten "Enkelgeneration" an, die mit den schrecklichen Geschehnissen des Holocaust keine direkte Verbindung mehr hat. Halten Sie sich für berufen, das Thema im Bewußtsein der jüngeren Generation wachzuhalten?

Nein. Ich selber hatte mit diesem "Thema" vorher nie etwas zu tun haben wollen. Es gab ja genügend Mahner, die sich dazu berufen fühlten und es gut verstanden, einem Minderwertigkeitsgefühle zu vermitteln. Was ich aber versuchen möchte ist, einen neuen Zugang zum Thema Holocaust zu zeigen, der keinem Minderwertigkeitskomplex - eine Ursache des Holocaust - anhängt, sondern ihn auflöst. Sollte sich diese Sicht durchsetzen, dann braucht es keine Mahner mehr, um das Thema im Bewußtsein auch der jüngeren Generation wachzuhalten. Es wird begriffen, daß die Ursachen dieser schrecklichen Geschehnisse in uns selber liegen - daß sie auch zu unserem Leben gehören - heute.


3. Warum finden Sie, daß die Menschlichkeit in der heutigen Zeit einer dringenden Kurskorrektur bedarf?

Schauen Sie sich um. Hören Sie sich um. Man sieht jeden Tag soviel Gewalt, und was man hört ist allzuoft Lärm. Wir werden von allen Seiten mit so viel Unmenschlichem gefüttert, daß es unserer Seele schadet. Die Konsequenz daraus sollte nicht sein, die Gewalt in uns noch besser auszudrücken, sondern uns mit Dingen zu beschäftigen, die unsere guten Seiten stärken. Warum verletzen wir uns gegenseitig so oft? Menschlichkeit bedeutet für mich, die Würde der Menschen zu achten, weder den Leib noch die Seele des Anderen verletzen zu wollen. Ich möchte deutlich machen, daß Menschlichkeit mit Demut zu tun hat, daß die Demut der Schlüssel zu mehr Menschlichkeit ist, denn menschlicher werden wir nur, wenn wir uns unserer Fehler bewußt sind und gleichzeitig um den Wert des Lebens wissen. - Es ist so kalt in diesem Land. Wer interessiert sich wirklich noch für den Nächsten? Wer sagt "Guten Morgen" oder "Danke" und meint das auch so? Menschlichkeit hat doch auch etwas mit der menschlichen Wärme zu tun, mit Nähe. Doch wir ignorieren uns gegenseitig. Millionen von Menschen vereinsamen in diesem Land. Warum haben wir so viel Angst voreinander? Warum sehen wir den anderen Menschen nicht zunächst als einen Freund an, der vielleicht unsere Hilfe braucht, statt als einen Feind, vor dem wir Angst haben müssen? Warum singen wir heute nicht mehr? Wieviele Leute verschenken ein Lächeln, ohne sich darum zu sorgen, ob auch etwas zurückkommt?


4. Wie sollen die älteren Generationen an Ihr Projekt "Wendepunkt" herangehen? Wie wollen Sie die Verkrustungen und Erstarrungen aus dem Schmerz der eigenen Erfahrungen bei ihnen lösen?

Zuhören und prüfen - das wünsche ich mir von den älteren Generationen. Dieses Projekt ist auch eine Antwort der Enkelgeneration auf die Walser / Bubis Debatte. Wenn ich erreiche, daß mein Ansatz überhaupt zur Kenntnis genommen wird, dann habe ich viel erreicht. Leider ist die Überzeugung, daß es bei der Mahnmal-Diskussion nichts Neues geben kann, ja daß eine angemessene Lösung an sich unmöglich ist, sehr gefestigt. Wir haben doch schon 10 Jahre diskutiert - heißt es. Und das ist falsch. Es wurden 10 Jahre diskutiert, doch nicht "wir" haben diskutiert. Günther Nenning spricht in seinem "Presse-Kommentar von außen" (17. 5. '99 in der Wiener Zeitung "Die Presse") von den medienkundigen Erziehern, die diskutiert haben. Er spricht vom stummen Volk und einem Mahnmalkrampf. Doch das Volk war in dieser Debatte keineswegs stumm. Hunderte von Vorschlägen wurden gemacht. Ich selber habe lange versucht, meine Ideen über die periodischen Medien bekannt zu machen. Leider werden gewöhnlich Beiträge aus der nichtprominenten Bürgerschaft ignoriert. Frische Ideen waren nicht zu sehen, weil es eben keine offene Debatte ist. Die Folge: Zehn Jahre Mahnmalkrampf, zehn Jahre Debatte an der Wirklichkeit vorbei. Wie Sie vielleicht wissen, verlangten etablierte Kreise nach einem Mahnmal, das dem Zeitgeist entspricht. Gewaltig und erdrückend sollte es sein. Dunkel, hoffnungslos - und sinnlos? Wie können wir uns aus der Erstarrung lösen? Auf Gewalt wird mit Gewalt geantwortet. Das ist gerade die Ursache des Problems. Wir müssen versuchen den Teufelskreis der Gewalt und der Schmerzen zu durchbrechen. Mein Vorschlag zeigt diesen Weg: Wir gehen in unser eigenes Inneres und nehmen durch die Kraft der Liebe unsere Schmerzen an - statt sie an andere weiterzugeben. So sind wir mehr und mehr in der Lage, unser Herz zu öffnen, und das ist der Weg in eine menschlichere Gesellschaft. Ein "Mahnmal der Versöhnung" zöge endlich die Konsequenz aus der schrecklichsten Katastrophe der deutschen Geschichte. Wir haben die Chance, ein solches Mahnmal zu errichten, das die Menschen in ihrem Innersten berühren könnte und Hoffnung gibt, daß es lohnt sich zu engagieren und für das Gute einzutreten.


5. Wie reagieren die Generation Ihrer Eltern / Großeltern auf Ihre Denkungsart und Ihr Engagement?

Diese Generationen tun sich schwer, wirklich offen über das "Thema" Holocaust zu reden. Der Abstand zu dem schrecklichen Geschehen ist noch zu gering. Das ist verständlich. Dabei sehe ich die Gefahr, die jüngere Generation für das Thema zu verlieren, wenn es nicht gelingt, zu einer ehrlicheren Auseinandersetzung zu kommen.


6. Sie warnen in Ihrem Buch vor einem Mahnmal, dass zu einem "größenwahnsinnigem Bekenntnis" würde. Sie fordern mehr Demut. Der neue Zugang zum Holocaust, den Sie mit dem geistigen wie dem realen Wendepunkt eröffnen wollen, soll zeigen, wie der Mensch mit Schmerz und Schuld besser umgehen könnte. Wem widmen Sie Ihre Arbeit?

Soll denn gerade Größenwahn, der den Holocaust erst ermöglichte, auch zu einem monumentalen Mahnmal, das eigentlich dagegen stehen sollte, führen? Nur ein Zyniker wird sagen, daß dies das beste Mahnmal sei. Dieses Buch richtet sich an alle Menschen. Es geht um wichtige Lebensfragen der Menschen heute, und es geht um Veränderungen in unserer Gesellschaft, denn das beste Gedenken an die größte Katastrophe der deutschen Geschichte ist mehr Menschlichkeit im täglichen Leben. Wenn wir die Ursachen dieser Katastrophe kennen, wenn wir die Ursachen der Unmenschlichkeit kennen und so zu einem ehrlichen Gedenken kommen, dann halten wir den Schlüssel zu mehr Menschlichkeit in der Hand. Dieses Buch ist gegen den Zeitgeist gerichtet. Es ruft zu mehr Demut auf. Ich versuche auch meinen Glauben zu verdeutlichen, nämlich daß es einen Sinn im Leben gibt, daß es ein stilles Glück gibt, daß sich die ehrliche Suche nach Gott lohnt, und daß wir vor allem erst mal Hoffnung haben müssen.


Hier geht es zum 3. Kapitel 
Mahnmal-Debatte
  © 2018 | Text und Bild | Friedensmal Wendepunkt